Presseinformation
München, 16. Februar 2011


Energieausweis - Der Billigere ist der Bessere
Studie bestätigt Auffassung von Haus + Grund


Bei jeder Neuvermietung sowie bei jedem Verkauf von Wohn- oder Geschäftsräumen kann der Mieter bzw. Käufer seit 1.7.2009 die Vorlage eines Energieausweises verlangen. Die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) unterscheidet zwischen dem Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis.

2 Varianten

In dem - relativ einfach und kostengünstig zu erstellenden - Verbrauchsausweis wird lediglich der tatsächliche Heizenergieverbrauch des Gebäudes in den letzten 3 Jahren dokumentiert. Aus den Heizkostenabrechnungen bzw. den Rechnungen der Energielieferanten wird der - von witterungs- und nutzungsbedingten Schwankungen bereinigte - Heizenergieverbrauch pro qm Fläche ermittelt und (in kWh) in den Verbrauchsausweis aufgenommen.
Bei dem - wesentlich aufwändigeren und entsprechend teureren - Bedarfsausweis wird der Energiebedarf des Gebäudes errechnet. Dazu muss der energetische Zustand des Gebäudes festgestellt werden, insbesondere die Wärmedämmwerte der Bauteile (u. a. Außenwände, Fenster, Keller- und Speicherdecken) sowie die energetische Qualität der Heizungsanlage. Aus diesen Faktoren wird dann der theoretische Heizenergiebedarf des Gebäudes errechnet.
Während ein Verbrauchsausweis für ca. EUR 50,-- erstellt werden kann, sind die Kosten für einen Bedarfsausweis u. a. von der Gebäudestruktur abhängig und können mehrere Hundert Euro betragen.

Welcher ist die Bessere?

Haus + Grund hat sich von Anfang an für den Energieausweis auf Verbrauchsbasis ausgesprochen - nicht nur wegen der erheblich geringeren Kosten, sondern auch aufgrund eigener Erfahrungen und vergleichenden Berechnungen, wonach die Bestimmung des Energiebedarfs auf Basis der tatsächlichen Verbräuche zu einem wesentlich realistischeren Ergebnis geführt hat als Berechnungen auf Bedarfsbasis.

Von seinen "Gegnern", u. a. von Interessengruppen, die sich von der Einführung der Ausweispflicht Geschäfte bzw. Folgegeschäfte versprochen haben, wurde der Verbrauchsausweis häufig als "Billigausweis" mit unzureichender Aussagekraft kritisiert.

Unberechtigte Kritik

Das Gegenteil ist der Fall. Nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis einer im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) durchgeführten Studie, ist die Fehleranfälligkeit bei Bedarfsausweisen deutlich höher als bei Verbrauchsausweisen. Nur 29 % der geprüften Bedarfsausweise konnten den Energiebedarf eines Gebäudes annähernd zutreffend darstellen. Dagegen lagen bei Verbrauchsausweisen mit 66 % mehr als doppelt so viele innerhalb der zulässigen Toleranz. Verbrauchsausweise wichen auch nur maximal 26 % von dem tatsächlichen Energiebedarf ab. Dagegen wurde bei einzelnen Bedarfsausweisen eine Abweichung von bis zu 108 % festgestellt.

Fazit

Die Entscheidung des Gesetzgebers, Verbrauchsausweise (nach Ablauf der Übergangsfrist bis 30.9.2008) nur noch für Gebäude mit mehr als 4 Wohnungen zuzulassen und die Eigentümer von Ein-, Zwei-, Drei- und Vierfamilienhäusern, für die der Bauantrag vor dem 1.11.1977 gestellt worden ist und die noch nicht energetisch saniert wurden, zur Erstellung des teuren und fehleranfälligen Bedarfsausweises zu verpflichten, war sachlich unzutreffend.
Der Gesetzgeber sollte seine Entscheidung daher umgehend korrigieren und Verbrauchsausweise für alle Gebäude, unabhängig von Alter, Größe und Sanierungszustand zulassen.


Rechtsanwalt Rudolf Stürzer
Vorsitzender Haus + Grund München