Presseinformation
München, 6.5.2009


Eigentümer und Mieter verschenken Steuerbonus auf Nebenkosten und Reparaturen


Seit 1.1.2009 können Eigentümer und Mieter jährlich bis zu EURO 5.200 Steuern sparen, wenn sie Rechnungen über Betriebskosten, Reparaturen oder Haushaltshilfen in ihrer Steuererklärung geltend machen.

Nach unseren Erfahrungen nimmt die große Mehrheit der Eigentümer und Mieter diese Steuervorteile nicht in Anspruch. Sie wissen zwar, dass es "irgend so einen Steuerbonus" gibt. Mangels genauer Informationen wird die Geltendmachung in der Steuererklärung dann aber nicht oder nicht richtig ausgeführt oder schlichtweg vergessen.

Münchner verschenken Steuervorteile in Millionenhöhe

Allein in München verschenken Eigentümer und Mieter damit Beträge in zweistelliger Millionenhöhe. Dabei könnte praktisch jeder Bürger, der eine Einkommensteuererklärung abgibt oder einen Lohnsteuerjahresausgleich durchführt, zum Teil erheblich Steuern sparen.
Selbst von Steuerberatern werden die entsprechenden Unterlagen zur Geltendmachung des Steuerbonus nicht immer von dem Mandanten angefordert.

Steuervorteil für Selbstnutzer und Mieter

Begünstigt durch die Neuregelung werden Eigentümer von selbst genutzten Wohnungen bzw. Häusern und Mieter. Vermieter konnten die Kosten für Reparaturen, Renovierungen und Modernisierungen in der vermieteten Wohnung schon bisher steuermindernd geltend machen. Aber auch ein Vermieter kann selbstverständlich für die Wohnung, in der er selbst wohnt, diese Steuervorteile in Anspruch nehmen - und seien es nur die Kosten für Kaminkehrer oder die Heizungswartung.

Differenzierung

Das Gesetz unterscheidet zwischen Handwerkerleistungen ( 35 a Abs. 3 EStG) und haushaltsnahen Dienstleistungen ( 35 a Abs. 2 EStG).
Handwerkerleistungen sind z. B.: Malerarbeiten (Schönheitsreparaturen) in der Wohnung, Erneuerung von Bodenbelägen oder sanitären Einrichtungen (Wasserhähne etc.), Reparatur und Erneuern von Fenstern oder der Heizungsanlage, Vornahme von Wärmedämmmaßnahmen, Kaminkehrerarbeiten; aber auch die Reparatur von Haushaltsgeräten (z. B. Kühlschrank, Waschmaschine, Fernseher, Computer), sofern die Geräte in der Wohnung repariert werden. Reparaturen in der Werkstatt werden nicht berücksichtigt.
Haushaltsnahe Dienstleistungen sind Leistungen, für die keine speziellen Fachkenntnisse erforderlich sind und daher von Haushaltsmitgliedern grundsätzlich selbst erledigt werden können, z. B.: Gartenpflegearbeiten, Putztätigkeit, Haushaltshilfe, Au Pair Mädchen, Babysitter.

Arbeits- und Materialkosten getrennt ausweisen

Steuerlich berücksichtigt wird nur der Aufwand für Arbeit, Fahrt und Maschinenkosten incl. MWSt, nicht aber für das Material.
Beispiel: Von einer Malerrechnung i. H. v. 3.500 EURO entfallen 2.800 EURO auf die Arbeitszeit und 700 EURO auf Material (Farben, Spachtelmasse etc.). Steuerlich berücksichtigt werden in diesem Fall 2.800 EURO.

Keine Barzahlung

Eine Barzahlung des Rechnungsbetrages wird steuerlich nicht anerkannt. Der Rechnungsbetrag muss daher auf das Konto des Handwerkers überwiesen oder von diesem aufgrund einer Einzugsermächtigung eingezogen werden.

Vor Auftragsvergabe sollte der Handwerker bzw. Dienstleister zusichern, dass er die Arbeits- und Materialkosten auf seiner Rechnung getrennt ausweist und mit einer Überweisung bzw. einem Einzug des Rechnungsbetrages einverstanden ist. Viele Dienstleister, insbesondere Notfalldienste wollen erfahrungsgemäß häufig nur gegen Barzahlung tätig werden. Ein Steuerabzug ist dann nicht möglich.

Auch Mieter können sparen

Zahlreiche Betriebskosten, die dem Mieter vom Vermieter jährlich in Rechnung gestellt werden, bestehen überwiegend aus Arbeitskosten, z. B. Betriebskosten für Hausmeister, Hausreinigung, Gartenpflege, Kaminkehrer oder die Heizungswartung. Diese kann der Mieter in seiner Steuererklärung geltend machen und erhält vom Finanzamt darauf einen Bonus von 20 % der bezahlten Arbeitskosten.
Beispiel: Der Mieter zahlt für die genannten Betriebskosten EURO 0,90/m²/Monat. Bei einer 70 m² großen Wohnung somit EURO 63 pro Monat, d. h. EURO 756/Jahr.
Bei einem Arbeitskostenanteil von 90 % (= EURO 680,40) beträgt der Steuerbonus (daraus 20 %) somit EURO 136,08.

Steuerbonus auch für 2008

Für das Steuerjahr 2008, für das grundsätzlich bis 31.5.2009 die Einkommensteuererklärung abgegeben werden muss, gilt noch die alte Regelung. Danach beträgt der Steuerbonus 20 % aus einem Höchstbetrag von je 3.000 EURO für Handwerker- und haushaltsnahe Dienstleistungen.

Höherer Steuerbonus für 2009: Bis zu 5.200 EURO

Ab 1.1.2009 hat sich der Steuerbonus für Handwerkerleistungen verdoppelt. Er beträgt jetzt 20 % aus maximal 6.000 EURO, somit maximal 1.200 EURO.
Zusätzlich sind Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen i. H. v. 20 % aus maximal 20.000 EURO, somit maximal 4.000 EURO steuerbegünstigt. Zusammen mit dem Steuerbonus für Handwerkerleistungen kann die Steuerersparnis somit 5.200 EURO betragen.
Beispiel: Der Eigentümer oder Mieter einer Wohnung/eines Hauses lässt im Jahr 2009 die Wohnung malern, den Teppichboden reinigen und die Waschmaschine in der Wohnung reparieren. Dafür fallen Arbeitskosten i. H. v. insgesamt 5.500 EURO an. Ferner zahlt er für Gartenarbeiten, Haushaltshilfe und Babysitter 4.500 EURO. Von den aufgewendeten Arbeitskosten i. H. v. insgesamt 10.000 EURO werden vom Finanzamt 20 %, somit 2.000 EURO steuerlich berücksichtigt.
Die Gesamtbeträge sind in der Einkommensteuererklärung auf Seite 4 des Mantelbogens (Zeilen 106 ff.) einzutragen.
Das Finanzamt zieht den Bonus direkt von der persönlichen Steuerschuld ab.
Beträgt die Einkommensteuerschuld für den Veranlagungszeitraum 2009 z. B. 8.000 EURO, muss der Steuerpflichtige somit nur noch 6.000 EURO zahlen.

Tipp

Alle Rechnungen gut aufbewahren und für die Steuererklärung vormerken, damit nichts vergessen wird.


Rechtsanwalt Rudolf Stürzer
Vorsitzender Haus + Grund München