Presseinformation
München, 28. April 2010


München 1980 bis 2010: Mietnebenkosten schlagen alle Rekorde
Mieten, Nebenkosten und Löhne im Preisvergleich der letzten 30 Jahre


"Die Entwicklung der Mieten in München in den letzten Jahrzehnten ist schuld daran, dass sich Normalverdiener das Wohnen in München kaum mehr leisten können".
Stimmt diese Behauptung, die häufig zu hören bzw. zu lesen ist und meist auch kritiklos übernommen wird?

Richtig ist, dass die Wohnungsmieten in München mit durchschnittlich 10,--/m² (Bestandsmieten netto lt. Münchner Mietspiegel 2009) und mit 12,--/m² (netto) bei Neuvermietungen bundesweit am höchsten sind.
Tatsache ist auch, dass die Mieten in der Vergangenheit kräftig angestiegen sind, weil das Wohnungsangebot aufgrund der geringen Bautätigkeit (Nettozuwachs 2009 nur noch 3.744 Wohnungen) mit der gestiegenen Nachfrage (Zunahme der Wohnfläche/Einwohner, Zuzug) nicht Schritt halten konnte.
Vergleicht man die Mietwerte der Münchner Mietspiegel von 1979 und 2009 für eine durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung mit 70 m² in mittlerer Lage, ergibt sich eine durchaus eindrucksvolle Mietsteigerung von über 150 % in den letzten 30 Jahren.
Ein Normalverdiener, z. B. kfm. Angestellter müsste diese Steigerung aber verkraften können: Sein Lohn/Gehalt ist in den letzten 30 Jahren nach den Statistischen Berichten des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung immerhin um 188 %, also stärker gestiegen als die Münchner Mieten.

Trotzdem muss auch ein Normalverdiener heute einen immer höheren Teil seines Einkommens für das Wohnen aufwenden: Die Gründe:
  1. Die Bruttolöhne sind zwar stärker gestiegen als die Münchner Mieten. Bei den Nettolöhnen, also bei dem, was dem Bürger nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, wie Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung etc. übrig bleibt, sieht die Rechnung anders aus. Drastisch gestiegene Steuern und Sozialabgaben haben in letzter Zeit dazu geführt, dass die Nettolöhne lediglich um 152 % gestiegen sind.
  2. Der Vergleich der Mietsteigerung in den letzten 30 Jahren beruht auf einem Vergleich der Nettomieten, also dem, was in die Taschen der Vermieter fließt. Zahlen muss der Mieter aber auch für Dinge, von denen der Vermieter nichts hat - außer Arbeit und häufig Ärger: Die Betriebskosten. Deren Steigerungen schlagen alle Rekorde:
    Strom und Gas wurden um jeweils 200 % teurer. Beim Gas betrug die Erhöhung allein in den letzten 15 Jahren 140 % - von DM 0,40 = 0,20/m³ auf derzeit 0,50/m³. Die nächsten Preiserhöhungen sind bereits angekündigt.
    Wasser wurde um 230 %, Müll bis zu 430 % und Abwasser um 480 % teurer.
  3. 1980 betrug die pro Einwohner genutzte Wohnfläche ca. 25 m², heute ca. 38 m². Eine Steigerung um ca. 50 %, die in entsprechend höheren Wohnkosten zu Buche schlägt. Auch deshalb müssen Mieter heute einen wesentlich größeren Teil Ihres Einkommens für die Miete aufwenden.
    Fazit: Die Frage, wer oder was daran schuld ist, dass Wohnen in München für Normalverdiener immer schwieriger wird, kann nicht ganz so einfach beantwortet werden, wie dies häufig geschieht.
Rechtsanwalt Rudolf Stürzer
Vorsitzender Haus + Grund München