Presseinformation
München, 20.11.2008

Bürgschaft statt Kaution - Neue Geschäftsidee bringt Nachteile für Mieter und Vermieter


Das neu gegründete Starnberger Unternehmen "Deutsche Kautionskasse" will noch vor Weihnachten seinen Online-Betrieb aufnehmen und Münchens Vermietern und Mietern seine neue Geschäftsidee präsentieren. Ziel des Unternehmens ist die Gewinnung von bundesweit 1 Million Kunden in den nächsten 4 Jahren.

Bürgschaft statt Kaution

Das Unternehmen empfiehlt Vermietern und Mietern die Vereinbarung einer Bürgschaft anstelle einer üblichen vom Mieter zu zahlenden Barkaution. Als Bürge sollen dabei zwei noch nicht namentlich genannte Banken und eine Versicherung fungieren.

Haus + Grund warnt vor neuer Geschäftsidee

Nach den derzeit vorliegenden Informationen wird von dieser neuen Geschäftsidee nur der Anbieter profitieren. Für Mieter und Vermieter werden sich erhebliche Nachteile ergeben.

Mietern entstehen erhebliche Kosten

Mieter zahlen für die Bürgschaft einmalig 50,00, zusätzlich ab dem zweiten Jahr jährlich 10,00 Kontoführungsgebühr sowie jährlich 5 % der Kautionssumme als Prämie. Für den Liquiditätsvorteil während der Laufzeit des Mietvertrages zahlen Mieter somit einen hohen Preis.
Dagegen sind Kautionskonten, die auf den Namen des Vermieters laufen, für den Mieter kostenfrei. Ferner stehen dem Mieter die gesetzlichen Kautionszinsen zu.

Bürgschaft hat grundsätzliche Nachteile

Für den Vermieter hat eine Bürgschaft gegenüber einer Barkaution den generellen Nachteil, dass der Nennbetrag der Bürgschaft während der gesamten Dauer des Mietverhältnisses unverändert bleibt. Dagegen wachsen bei der Barkaution die Zinsen der Kaution zu, führen somit zu einer Erhöhung der Sicherheit und gleichen zumindest einen Teil des Kaufkraftverlustes aus. Gerade bei länger dauernden Mietverhältnissen sollte dieser Vorteil der Barkaution nicht unterschätzt werden.


Beispiel: Eine im Jahre 2008 geleistete Bürgschaft über eine Summe von 2.000,00 hat in 10 Jahren zwar immer noch einen nominalen Wert von 2.000,00; real ist der Wert aber bei einer angenommen Inflationsrate von 2 %/Jahr auf unter 1.600,00 gesunken. Dieser Schwund wird bei einer Bankkaution weitgehend durch die der Kaution zuwachsenden Zinsen ausgeglichen.

Vermieter hat keine Zugriffsmöglichkeit

Hinzu kommt, dass nach den Erfahrungen unserer Rechtsabteilung, die jährlich ca. 50.000 Rechtsberatungen für unsere Mitglieder durchführt, für den Vermieter bei Beendigung des Mietverhältnisses häufig Schwierigkeiten bei der Inanspruchnahme der Bürgschaft auftreten, wenn z. B. Schäden in den Mieträumen vorliegen, deren Kosten der Vermieter geltend machen will.
Auch wenn die Bürgschaft selbstschuldnerisch sowie auf erstes Anfordern und unter Verzicht auf sämtliche Einreden des Bürgen abgeschlossen wurde, der Bürge also ohne wenn und aber, d. h. ohne Rücksicht auf die Sach- und Rechtslage zahlen müsste, kommt es häufig vor, dass der Bürge - weil er dem Mieter i. d. R. näher steht als dem Vermieter - die Zahlung verweigert. Dann muss der Vermieter den Bürgen verklagen und fragt sich zu Recht, welchen Sinn eine solche Bürgschaft eigentlich noch hat.

Vermieter soll Barkaution auf seinen Namen anlegen

All diese Probleme können bei einer Barkaution, die der Vermieter getrennt von seinem Vermögen auf seinen Namen anlegt, nicht auftreten. Auf diese kann der Vermieter bei begründeten Ansprüchen jederzeit zugreifen, ohne dass ihn ein dazwischen stehender Dritter daran hindert bzw. er einen Dritten, z. B. den Bürgen, um Auszahlung der Sicherheit bitten muss.


Rechtsanwalt Rudolf Stürzer
Vorsitzender Haus + Grund München